Vermutlich denken beim Stichwort Akrobatik viele erst einmal an den Zirkus; an Artisten, die sich in bunten Kostümen durch die Luft schwingen und Aufregung fürs Auge bieten. Die Wandobjekte von Laurina Fässler machen hingegen einen eher schlichten und zurückhaltenden Eindruck und mögen auf den ersten Blick vielleicht nicht so richtig zu ihrem Titel passen. Betrachtet man jedoch die sehr ungewöhnlichen Formen, die so ganz und gar untypisch sind für einen klassischen Bildträger, ist die Akrobatik die den Objekten inne wohnt schnell entdeckt. Sie scheinen förmlich im Raum herumzuturnen, sich gegenseitig zu stützen oder zu fangen. Zu den aussergewöhnlichen Formen inspiriert wurde Fässler von einer eigenen früheren Arbeit, in der sie wässrige Aquarellfarbe auf ein Blatt Papier getropft und dann bewegt hat. Die so entstandenen Gebilde hätten sie derart fasziniert, dass sie diese in ein anderes Medium übertragen wollte. Als gelernte Schreinerin ist bei Fässler die Affinität zum Material Holz gross, dieses sollte zudem möglichst einfach, im Sinne von alltäglich und kostengünstig, sein. So bestehen die Objekte aus zusammengeleimten Stücken von herkömmlichem Fichtenholz und handelsüblicher Leinwand. Beide Materialien kommen in einer ähnlich unscheinbaren Farbe daher. Die ursprünglich mit Aquarellfarbe aufs Papier getropften Formen sind nun nicht mehr Bildinhalte, sondern wurden zu Bildträgern mit gewissen Leerstellen. Ob diese tatsächlich für immer leer bleiben oder ob sie nach Ende dieser Ausstellung besetzt werden, ist abzuwarten.

Bettina Mühlebach, Text zur Ausstellung Akrobatik,
o.T. Raum für aktuelle Kunst, Luzern, Juni 2017